Bin ich Sklave oder ein Teil der digitalen Revolution?

In der neuesten Print-Ausgabe des Spiegel’s (ja, ihr Sklaven der digitalen Revolution: es gibt eine Print-Ausgabe abseits von Spiegel Online) wird das Volksgerät Smartphone und die Gefahren permanenter Erreichbarkeit thematisiert. Anlass für mich, meine eigene Meinung hierzu kundzutun.

Weltweit werden 2012 voraussichtlich mehr als 680 Mio. Smartphones verkauft. Allein in Deutschland hat jeder 2. unter 30-jährige einen digitalen Alleskönner als Begleiter. Die kleinen Büros für die Hosentasche sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Haben sie doch so viele Annehmlichkeiten zu bieten, die nicht nur Business-People, sondern auch Privatpersonen aller Altersklassen schätzen.

Laut Experten bergen Smartphones Gefahren

Man kann jederzeit telefonieren, Nachrichten verschicken, E-Mail’s lesen, mit Apps aller Art das Wetter checken, Lieder im Radio erkennen, und und und. Die Liste an Möglichkeiten ist unbegrenzt. Allerdings hat der ewige digitale Begleiter, der mittlerweile mehr als Statussymbol zählt, als teure Sportwagen,  nicht nur Vorteile. Diese Meinung vertritt zumindest US-Soziologin und Technologie-Expertin Sherry Turkle im Spiegel-Interview.

Sie erklärt, dass iPhone & Co. zwar unheimlich wichtig und unterhaltend sind, aber langsam aber sicher zu Unfähigkeit normaler persönlicher Kommunikation untereinander führen. Durch die einfache Möglichkeit direkten Gesprächen aus dem Weg zu gehen, werden Unterhaltungen mehr und mehr in Textform abgehalten. Womit sie nicht unrecht zu haben scheint, glaubt man zumindest der Statistik, dass ein Teenager im Monat im Schnitt 3417! Textnachrichten erhält. Das sind 7-8 Nachrichten in der Stunde und somit vermutlich vergleichbar mit dem Nachrichtenverkehr von Geschäftsleuten.

Zudem ist es für viele von uns zur Normalität geworden, nach Feierabend nicht komplett in das Privatleben einzutauchen. Vielmehr werden abends nochmal die E-Mails gecheckt oder Projekte zu Hause vor dem Fernseher weitergeführt. Alles Abseits von Stempeluhr und Wahrnehmung durch Chefs oder Kollegen. Die Folgen dieser permanenten Erreichbarkeit und Bereitschaft, sind Schlafstörungen und Erschöpfung bis hin zu Burnout. Wer nicht abschaltet und einen Ausgleich zum Berufsleben schafft, läuft Gefahr sich selbst zu schaden.

Sherry Turkle mahnt im Interview auch an, dass wir es mittlerweile schon verlernt haben, einfach mal Auszeiten zu nehmen. Als Beispiel führt sie eine Warteschlange im Supermarkt an, in der jeder zweite nach 3 Minuten das Handy zückt, nur um sich die Wartezeit zu vertrösten. Es fehle ganz einfach die Bereitschaft oder Fähigkeit, einfach mal an Nichts oder auch das Wetter zu denken. Soweit die Expertin.

Sind Smartphone und die Erreichbarkeit tatsächlich ein Problem?

Sicher hat Mrs. Turkle in recht. Natürlich hat sich ein großer Teil unserer Kommunikation auf digitale Geräte verlagert. Allerdings kann ich zumindest in meinem Fall durchaus behaupten, dass ich nun auch deutlich mehr kommuniziere als zuvor. Es ist eben sehr einfach, mal schnell eine E-Mail an einen Kunden oder Kollegen zu schreiben oder eine Text-Nachricht an Freunde und Verwandte. Das sind oftmals Unterhaltungen, die ich früher nicht geführt hätte, weil ein Telefonat einfach eine größere Hürde darstellte. Ich kann nicht bestätigen, dass meine Affinität zu digitalen Kommunikationsmitteln meine sozialen Kontakte in irgendeiner Form eingeschränkt hat.

Auch sehe ich die Problematik der verlorengegangenen Fähigkeit, einfach mal den Moment verstreichen zu lassen, ohne gleich sein Smartphone in die Hand zu nehmen, nicht so tragisch. Ein Smartphone ist mittlerweile doch überwiegend für Entertainment da. Zum chatten, spielen, surfen, lesen oder was auch sonst man damit anstellen will. Langweilige Situationen zu überbrücken, halte ich für absolut nachvollziehbar und daher kein Problem.

Was ich allerdings durchaus bestätigen kann, ist die Gefahr durch die ständige Erreichbarkeit. Hat man mal den Schritt getan, zum Beispiel Geschäftsmails auf das Smartphone leiten zu lassen, ist die Gefahr sehr groß auch immer mal wieder „reinzuschauen“. Wer kennt das nicht: Nochmal kurz vor dem Schlafen gehen die E-Mail checken, nur um dann ewig wachzuliegen, weil die letzte Nachricht des Chefs nicht unbedingt Lobhudeleien waren. Und das um halb 12 Uhr abends. Seeliges einschlummern kann man dann vergessen.

Andererseits kann man so auch deutlich flexibler planen. Man muss nicht mehr Zwangsweise von Morgens bis Abends im Büro sitzen. Die Arbeit kann in vielen Berufszweigen von überall erledigt werden. Teilweise sogar mit dem Smartphone. Möglichkeiten, an die vor langem keiner gedacht hätte. Da sitzt man täglich eine Stunde im Zug und nutzt nun ganz einfach das Smartphone um Kontakte zu pflegen oder über Social Media Apps zu knüpfen. Zeit, die man früher vom Privatleben oder von der Zeit im Büro abknapsen musste.

Mein Fazit: ich persönlich möchte die digitalen Möglichkeiten nicht mehr missen. Unterwegs E-Mails lesen und schreiben. Im Zug mit Laptop bloggen oder Webrecherchen durchführen. In kurzen Pausen Feeds lesen. Und vor dem Fernseher das Spiel des Lieblingsclubs per Whatsapp mit dem Kumpel besprechen. Das alles konnte ich früher nicht so ohne weiteres. Fehlt eigentlich nur noch eine Grenze, die ich mir selber setzen muss. Ab wann sollte ich tatsächlich mal abschalten. Sei es mit Familie, Freunden oder vielleicht auch vor dem Fernseher. Offline kann ja auch ganz schön sein…

Letzte Version vom 13. Juli 2017 von Netzgänger
Jetzt WordPress Newsletter in dein Postfach

Melde dich jetzt für meinen Newsletter an und du erhältst regelmäßig Tipps und Tricks zu WordPress in dein Postfach. Natürlich kannst du ihn jederzeit abbestellen.


5 Kommentare

  1. Doch, die ständige Erreichbarkeit ist in meinen Augen ein großes Problem, ich selber merke an mir, wie ich – wenn nicht in Mac-Nähe – ständig auf mein Smartphone schaue, ob eine neue Nachricht/Mail kam…

  2. Bastian sagt:

    Die Diskussion über die permanente Erreichbarkeit gab es ja neulich erst bei Hart aber Fair. Wer einerseits während der Arbeit Internet, Facebook, Smartphone und Co. nutzt der sollte auch nicht (auf hohem Niveau) meckern wenn er beruflich auch mal nach Feierabend kontaktiert wird. Zumal ich denke dass es wirklich eine Minderheit betrifft. Die Supermarktkassiererin wird wohl kaum nach Feierabend angerufen und die Jungs von Bau müssen denk ich mal auch selten nachts ausrücken. Es ist vorallem die mittlere Management-Ebene die dies betrifft und davon beklagen sich vermutlich auch nur wenige da dies einfach zu ihrem Job, Lifestyle und Charakter gehört. Ich denke, wer Ruhe braucht und haben will der bekommt sie auch, egal bei welchem Job, alles eine Frage des Zeitmanagements und der Fähigkeit auch mal Nein zu sich selbst und zu anderen zu sagen.

    • Bin mir nicht sicher, ob das wirklich nur die mittlere Management Ebene betrifft. Ich kenne persönlich einige, die nicht im Management arbeiten und dennoch permanent erreichbar sind oder sein sollen. Klar, als Manager wird man für diese Erreichbarkeit bezahlt. Aber als Angestellter sollte normalerweise Schluss sein. Der VW Betriebsrat hat zum Beispiel durchgesetzt, dass keine Emails mehr nach Betriebsschluss verschickt werden. Tolle Maßnahme finde ich…

      • Bastian sagt:

        „Der VW Betriebsrat hat zum Beispiel durchgesetzt, dass keine Emails mehr nach Betriebsschluss verschickt werden. Tolle Maßnahme finde ich…“

        Finde ich auch, obwohl es auch Einzelfälle gibt die auch darunter wieder leiden werden, bspw. alleinerziehende Mütter die gern mal früher gehen und dafür dann aber wenn das Kind im Bett ist nochmal 2-3 Stunden arbeiten o.ä… Im Endeffekt ist es alles eine Frage der Kommunikation, hat man Chefs die auch Menschen sind, kann man über alles reden und immer eine Lösung finden.

        • Aber muss man als Teilzeitkraft denn tatsächlich abends noch mails bekommen? Normalerweise nicht unbedingt. Vor allem, wenn der Rest des Konzern um diese Zeit keine Mails mehr schreibt. Das wäre nur der Fall, wenn die Arbeit sich ausschließlich auf Emails schreiben beschränkt…

Kommentar schreiben

Mit Absenden deines Kommentars erklärst du dich mit der Verarbeitung deiner hier angegebenen Daten einverstanden (Datenschutzerklärung). Diese werden nur zur Verwaltung der Kommentare verwendet und keinem anderen Zweck zugefügt. Du kannst jederzeit per E-Mail an info@netz-gaenger.de der Speicherung deiner Daten widersprechen.

* Notwendige Angaben

Netzgänger Webdesign | Rohrersmühlstraße 22 in Schwabach | Bayern
Kontakt: info@netz-gaenger.de
↑ oben
Inhalt