Kundenfrage: Soll ich TYPO3 für meine Webseite verwenden?

Immer wieder bekomme ich Anfragen von Kunden, die verunsichert sind, welches CMS (Content Management System) sie für ihre neue Webseite verwenden sollen. Oft kommt die Frage „TYPO3 oder WordPress?“. Was ich den Kunden dann antworte… (Stand 19.11.2015)

Ist Typo3 das richtige System für mich?

Gleich vorab an alle TYPO3-Jünger da draußen: Das soll kein Verriss werden. Jeder hat seine Vorlieben und die meisten CMS’s haben ihre Daseinsberechtigung. So auch TYPO3 natürlich. Ob WordPress oder Typo3, dass ist keine Glaubensfrage, sondern eher eine Frage der geplanten Webseite.

Was ist TYPO3 und was sind die Vorteile des Systems?

TYPO3 ist ein Hochleistungs-System für Webseiten (nicht nur in Sachen Geschwindigkeit) nahezu jeder Art, welches gerade bei großen und mächtigen Internetseiten Verwendung findet. Es zeichnet sich durch eine extrem hohe Anpassungsmöglichkeit aus. Und zwar Anpassungen nicht nur des Frontends (also der Webseite ansich), sondern auch des Backends (Der Admin- oder Redakteursbereich).

So lässt sich beispielsweise realisieren, dass Redakteure nur ganz spezielle Bereiche einer Webseite mit Text füllen können, so dass die Seite nicht durch Anwenderfehler gefährdet wird. Oder aber lassen sich mehrsprachige Webseiten ohne Zusatzsoftware aufsetzen. On top lassen sich mit einer einzigen Installation gleich mehrere Webseiten bedienen.

Was sind die Nachteile von Typo3?

Trotz der tollen Features, rate ich meinen Kunden in den allermeisten Fällen von TYPO3 ab. Und das hat vor allem folgende Gründe:

  • TYPO3 ist extrem schwer zu lernen, d.h. jede Änderung bedarf eines Spezialisten, insofern man nicht selber einer ist.
  • Spezialisten für TYPO3 sind rar gesät. Das schlägt sich auf den Stundenlohn dieser Spezialisten nieder, die diesen ohne Zweifel verdienen.
  • TYPO3 liefert zu wenige Features  im Vergleich zu beispielsweise WordPress.
  • Die Entwicklergemeinde von Plugins ist vergleichsweise klein.

Typo3 vs WordPress

Warum WordPress heutzutage kein reines System mehr für Blogger ist und auch anspruchsvollen Unternehmenswebseiten Rechnung trägt, habe ich hier schon beschrieben. Neben der großen Entwicklergemeinde, einer unzähligen Masse an sehr guten Themes für das Layout und Plugins für alle erdenklichen Features, ist es für den User sehr leicht zu erlernen und zu bedienen. Das hat WordPress Typo3 einfach voraus.

Geht es um Multisites, sehr groß skalierbare Webseiten, ist Typo3 sicher die bessere Wahl. Auch beim Thema Security ist man bei Typo3 aufgrund weniger Verbreitung ein wenig besser aufgehoben. Allerdings kann dieser vermeintliche Missstand bei WordPress durch gutes Security-Management behoben werden.

Was rate ich also meinen Kunden zu TYPO3?

Die genannten Nachteile von typo3 sind für mich persönlich Ausschlusskriterien für viele Webseiten. Ich habe TYPO3 gelernt und habe den direkten Vergleich zu WordPress, Joomla, Modx und Co. Für kleine bis mittelgroße Webseiten ist es einfach ein Kampf, allen Anforderungen ohne großen Aufwand gerecht zu werden. Das machen WordPress, Joomla & Co. besser.

Fazit: Sie wollen eine mächtige Webseite aufsetzen, die bis ins kleinste Detail, wie den Userrechten, gesteuert werden kann? Dann sind Sie vielleicht bei TYPO3 gut aufgehoben. Ihre Webseite ist von kleiner oder mittelgroßer Art? Sie wollen schnelle Ergebnisse, flexible und viele Möglichkeiten der Anpassung ohne großen Entwicklungsaufwand und vergleichsweise niedrige Entwicklerkosten? Dann sind Sie beispielsweise bei WordPress oder Joomla besser aufgehoben.

Letzte Version vom 19. November 2015 von Netzgänger
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13 Kommentare

  1. Sascha Thattil sagt:

    Sehr guter Beitrag.

    Für kleine Unternehmen ist TYPO3 einfach „too much“.
    Die Spezialkenntnisse dafür müssen vorhanden sein.

    Ich habe aber auch schon kleinere Unternehmen gesehen, die damit erfolgreich Europaweit genutzte Portale und Webshops betreiben. Also machbar scheint das schon zu sein. Nur der Aufwand ist entsprechend höher. Auf der anderen Seite hat man dann ein sehr skalierbares System.

    Für die meisten Fälle ist WordPress mehr als aussreichen, beziehungsweise ideal.

    Auch ich habe ein wenig über die Vor- und Nachteile von diesem CMS geschrieben: http://www.yuhiro.de/vorteile-und-nachteile-von-typo3/ Eventuell ist das eine Ergänzungen zu den Informationen aus diesem Text.

    Vielen Dank nochmal für diesen Beitrag, der mal gar nicht so 08/15 ist 🙂

    Viele Grüsse
    Sascha Thattil

  2. Alex L sagt:

    Hallo Rene,
    bist du hier im Blog noch aktiv und wirst du mein Feedback online stellen? 😉

    Also ich arbeite mit WordPress schon seit 9 Jahren als reiner Nutzer und kann mich nicht beschweren. Auch arbeite ich mit Joomla, Drupal und PHP Fusion. Beim WordPress CMS ist der Einstieg in das Blogging am einfachsten und das hatte sich nach vielen Jahren bei mir bereits bewährt.

    Auch heute setze ich noch Blogs mit WordPress gerne auf und freue mich deswegen, dass wir Nutzer dieses OpenSource CMS nutzen können.

    Typo 3 wäre mir zu viel des Guten, weil auch dieses Typoscript erlernt werden müsste. Das lohnt sich für mich nicht und ich würde in jedem Falle WP, Joomla oder Drupal nehmen. Da kann ich gleich einsteigen und bloggen. Natürlich dauert es auch bei Joomla ein bisschen, bis man die Webseite in ein Blog verwandelt hat. Mit der Komponente K2 geht es dann aber doch noch.

    Alles in allem kann ich nach drei Jahren meiner CMS-Tests sagen, dass es da draussen viele gute CMS gibt und auch noch die ganz modernen Flat File CMS wie GRAV und Mecha sind gut, um ein kleines Blog betreiben zu können.

  3. Wird ja mal Zeit, dass auch ein TYPO3-„Jünger“ einen Kommentar macht.

    Über TYPO3 lässt sich gewiss eine Menge meckern. Jedoch kann ich keinen der von Ihnen genannten Punkte nachvollziehen:

    1. „extrem schwer zu lernen“: Für den Entwickler ist das eine korrekte Aussage. Auf den Redakteur trifft das allerdings nicht zu. Meine Erfahrung in Schulungen ist stets, dass der Anblick der Backends zunächst erschreckt, aber nach spätestens 15 Minuten auch der letzte DAU verstanden hat, wie man TYPO3 bedient.

    2. „Spezialisten für TYPO3 sind rar gesät“: Wie bitte? Allein in meiner Datenbank habe ich locker mehr als 600 Agenturen und Freelancer, die auf TYPO3 spezialisiert sind. Und das sind noch längst nicht alle. TYPO3-Spezialisten gibt es wie Sand am Meer (oder ist der Artikel etwa von 2001 … mom … check … ne, Januar 2014).

    3. „zu wenige Features im Vergleich“ : Da würde mich einmal interessieren, welche das sind.

    4. „Entwicklergemeinde von Plugins ist vergleichsweise klein“. Für Deutsche Anwender aber wichtig: Dafür ist es eine primär deutschsprachige Entwicklergemeinde. Und die ist vergleichsweise groß.

    Ich finde WP super und für kleine Seiten absolut perfekt. Und es gibt sicherlich viel, was TYPO3 von WordPress noch übernehmen kann. Was aber bei WordPress gar nicht gegeben ist: Es gibt kein zugrundeliegendes Framework. D.h. jeder Quark (Userverwaltung, Sicherheit, Datenbankabfragen und vieles mehr) muss durch den Entwickler selber übernommmen werden. Das erhöht den Entwicklungsaufwand und stellt ein potenzielles Sicherheitsrisiko dar.

    @David Decker
    Zum einen regen Sie sich über die „Dummschwätzer“ mit ihrem „WordPress-Bashing“ auf. Andererseits geben Sie zu, dass sie von TYPO3 keine Ahnung haben: „würde ich mir TYPO3 auch mal mit ansehen“, betreiben also – ohne Ahnung zu haben – TYPO3-Bashing. „Wenn man keine Ahnung hat …“ Sie wissen schon und darin gebe ich Ihnen Recht. Das sollte aber dann für alle gelten.

    Und was sind denn Ihrer aller Meinung nach „unverschämte Preise“?

    • Hallo Udo. Jeder darf sich hier äußern. Ich teile deine Ansicht nicht zu 100%. Das du 600 Entwickler und Agenturen in deiner Datei hast, kann ich mir nicht vorstellen. Viele Agenturen haben gar nicht das Know How selber, sondern kaufen diese als Typo3-Agentur ein. Und einige der sog. Entwickler, haben nicht das Know How, das man bräuchte. Ich spreche aus Erfahrung von einigen Kunden, die wirklich frustriert waren.

      Extrem schwer zu lernen, betraf tatsächlich nur den Entwickler. Warum eben auch der Preis einer Entwicklerstunde in der Regel deutlich über Branchenschnitt liegt. Nicht jeder möchte oder kann das zahlen.

      Wie gesagt, jedes System hat seine Berechtigung. TYPO3 fällt mir leider häufig negativ auf im Vergleich zu anderen Systemen, die Kunden haben oder hatten.

    • David Decker sagt:

      @Udo:
      Ich habe mir TYPO3 angeschaut – und persönlich für ungeeignet/ schlecht befunden. Punkt. Natürlich ist das schon längere Zeit her.

      Wie schon hier geschrieben, habe ich vor der Kompetenz von seriösen TYPO3-Experten/ -Dienstleistern großen Respekt. Diese meine ich auch nicht mit „Dummschwätzer“: damit meine ich Leute, die z.B. grad in irgendwelchen Entscheider-Positionen sitzen und irgendwas nachplappern, was sie mal über TYPO3 gelesen oder gehört haben. Aber, es fallen leider auch einige wenige TYPO3-Dienstleister darunter, so zumindest meine Erfahrungen, die sich auf konkrete Kunden bzw. Projekte beziehen. Gibt aber auch im WP-Umfeld (oder bei anderen „CMS“) solche Leute, leider… Mich regt es auf, wenn TYPO3 auf Kosten von WordPress angepriesen wird. Bei meinen Beratungen erwähne ich keine anderen CMS – es sei denn der Kunde fragt mich ganz konkret danach. Ich mache Mitbewerber aus CMS-Bereich, egal ob Open Source oder nicht, nicht schlecht, das verbietet sich von selbst! Das schadet letztlich dem Kunden und auch mir. Wenn sich der Kunde gegen WordPress entscheidet, ist das ok! Was mich aufregt, sind „Dritte“ (z.B. Leute aus Vorständen, Aufsichtsräten, „gute Bekannte“ meiner Kunden…), die sich in gewisser Weise einmischen und durch ihr Halbwissen, den Entscheidungsprozess total erschweren und für „Turbulenzen“ sorgen usw.

      Hätt ich in meinem ersten Kommentar besser erklären müssen!

  4. David Decker sagt:

    Kann ich nur bestätigen und es lassen sich weitere Gründe finden.

    Angeblich hat sich wohl im Backend bisserl was geändert, aber Redaktionstauglich wir das lange nicht sein. Es heißt immer, man könne das maßgeschneidert anpassen?!? Sicher, bestreitet auch niemand. Doch welcher Handwerker um die Ecke hat die Zehntausend Euro extra, um dafür den Superadmin einfliegen zu lassen, der das dann grade biegt? Und wenns dann wieder mal hapert, brauchts wieder die „Premium-Putzkolonne“…

    Wenn irgendein Konzern eine eigene IT-Abteilung hat und Tausende Seiten was weiß ich braucht, würde ich mir TYPO3 auch mal mit ansehen, auf jeden Fall! Aber im gleichen Atemzug mindestens auch WordPress und Konsorten!

    Es heißt ja immer wieder, WordPress wäre nur für kleinere bis mittlere Webseiten geeignet. Ich behaupte, das stimmt nicht! WordPress skaliert wunderbar! Viele Großprojekte aus den letzten paar Jahren zeigen das immer wieder – und immer und immer mehr!

    Man muss nicht alles mit WordPress machen und es ist bestimmt nicht für alle Zwecke die Beste Lösung, es kann aber meilenweit mehr als die Dummschwätzer da draußen in ihrer Unwissenheit seit Jahren runterbeten. Mich regt dieses gezielte WordPress-Bashing mittlerweile nur noch auf! Eigentlich haben wir sowas in der Open Source Welt nicht nötig, da wir alle im gleichen Boot sitzen. Nur wenn irgend so ein Provinzagentur-Hansel das WordPress-Backend vor 6 Jahren das letzte Mal gesehen hat, lass ich mir meine Kunde nicht gehirnwaschen!

    Eine bittere Wahrheit scheint aber leider dabei zu sein: Wir WordPress-Leute verkaufen uns oft unter Wert??? Wenn Kunden ohne mit der Nase zu rümpfen unverschämte Beträge bereit sind für eine popelige TYPO3-Seite zu bezahlen, aber für eine weit bessere WordPress-betriebene Webseite nur einen Bruchteil der Summe, machen wir evtl. auch bisschen was falsch, und sei es nur im „Marketing“? *vorsichtiglautnachdenk*… 🙂

    • Die Erfahrung, dass WordPress runter gemacht wird, habe ich so noch nicht gemacht. Eher, dass es mehr und mehr gehyped wird (zurecht vielleicht). Das Problem hast du aber richtig beschrieben. Ich glaube nur nicht, dass wir uns unter Wert verkaufen. Das ist wie mit Autos. Man braucht keinen Rolls Royce um von A nach B zu kommen. Ein Hyundai tuts vielleicht auch. Der Unterschied ist nur, dass sich bei solchen Anschaffungen die Leute richtig Zeit nehmen um abzustecken, was sie denn wirklich brauchen.

  5. Mein Einstieg in die Welt der CMS war einst Typo3. Was war ich erschlagen von den Möglichkeiten und was war ich dankbar als mir WordPress unter die Finger geriet. 🙂 Typo3 ist ein tolles CMS aber für 99% der Websites überdimensioniert. Leider versuchen einige schwarze Schafe unter den „Agenturen“ Typo3 für jede noch so kleine Site an den Mann/die Frau zu bringen. Schließlich können hier enorme Summen für den anschließenden, meist notwendigen, Support genommen werden.

    • David Decker sagt:

      Der Lock-In-Effekt wunderbar auf den Punkt gebracht!

      Genau das merken Kunden erst nach Jahren von bitteren Erfahrungen – und finanziellen „Verlusten“.

      So wird in meinen Augen der Begriff „Fachmann“ bzw. „Experte“ missbraucht. Ich zweifle nicht an der programmiertechnischen Kompetenz von TYPO3-Entwicklern/ -Agenturen, keineswegs. Es kann aber nicht sein, dass einige von denen in Kundengesprächen als erstes eine existierende – gut funktionierende, sogar ausgezeichnete – Webseite des Kunden niedermachen, nur weil die mit WordPress läuft.

      Dieses Negativ-Marketing richtet riesigen Schaden bei den Kunden an, weil somit der Same des Zweifels (an Open Source) gesät wird. Natürlich immer unter Kampflinie „Blogsystem“ usw.

      Doch Schlachten werden auch gewonnen, wenn mich knapp 60-jährige Blogger anrufen, wie glücklich sie mit WordPress seit Jahren arbeiten – das war u.a. einer, den ich von TYPO3 bekehren konnte, nur durch Vorführen des WordPress-Backends 🙂

  6. frank katzer sagt:

    ups. und btw: ich wünsche dir alles gute für 2014!

  7. frank katzer sagt:

    sehe ich genauso rené. wir „mussten“, um einen kunden zu halten typo3 einsetzen – was ja aufgrund steiler lernkurve an sich schon quatsch war.
    ich halte typo3 – wie eigentlich aktuell alle cms für kunden/redakteure ungeeignet. gerade typo3 ist ein monster an möglichkeiten und denkt für mich, wie alle cms, nicht an die, die es eigentlich benutzen müssen.
    kurz: es fehlt ein cms für redakteure 😉

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